Naturreservat & Biologische Station

Was ist der Chocó?

Nach dem Bundesstaat Chocó in Kolumbien benannt, bezeichnete man als Chocó ursprünglich nur den Tieflandregenwald an Kolumbiens Küste. Extrem hohe Niederschläge und ein besonders hoher Artenreichtum sind für diesen charakteristisch. Der WWF zählt dieses Gebiet zur Chocó-Darién Ökoregion, welche sich bis nach Panama erstreckt. Nach Süden hin schließt sich die Ökoregion der Feuchtwälder Ecuadors an.

 

Aufgrund ihrer Ähnlichkeit sind beide Ökoregionen Teil eines Biodiversitäts-Hotspot, dem Tumbes-Chocó-Magdalena Hotspot. Dieser Hotspot erstreckt sich von Panama bis Peru und von der Pazifikküste bis auf 1000 m Höhe. Auf dieser Höhe beginnt die weltweit artenreichste Ökoregion, die Tropischen Anden, welche die Gebirgsregion der Anden von 1000 m Höhe im Westen bis auf 500 m Höhe im Osten umfassen. Die Grenzen zwischen den drei Ökoregionen gehen fließend ineinander über und es gibt zahlreiche Arten, die in mehr als einer Ökoregion heimisch sind. Auch wenn dieses nicht mit den wissenschaftlichen Bezeichnungen übereinstimmt, werden in Ecuador mittlerweile sämtliche Wälder von der Pazifikküste bis auf 2200 m Höhe als Chocó bezeichnet.

Artenreichtum und Endemismus

Wie auch immer er genannt wird, der Nordwesten Ecuadors ist außerordentlich artenreich und beherbergt einen hohen Anteil an Endemiten. Schätzungen zufolge sind etwa ein Viertel der Pflanzenarten endemisch; in den Gebirgsregionen sind es sogar fast die Hälfte! Auf Ebene der höheren Tiere sind etwa 13 % endemisch. Im Vergleich zu anderen Kontinentalregionen findet sich hier die höchste Konzentration an endemischen Vogelarten. Insbesondere die Gebirgsregionen zeichnen sich durch eine besonders hohe Vielfalt an Amphibien aus.

 

Die Erklärung für den hohen Endemismus des Chocó gibt die geographische Trennung aufgrund der Andenkette. Die Wälder auf der westlichen Seite der Anden haben sich durch ihre Isolierung evolutiv vollkommen anders entwickelt als die Wälder auf der östlichen Seite.

Gefährdung und Erhaltung

Leider ist von den Wäldern Westecuadors nicht mehr viel übrig. Über 90 % wurden allein zwischen 1938 und 1988 vernichtet. Wo früher artenreiche Wälder standen, findet man heute Plantagenwirtschaft. Und auch die letzten Stücke Wald sind stark bedroht; von legaler und illegaler Abholzung, Bananen- und Palmölplantagen, sowie Bergbauunternehmen. Daher zählt der Chocó bzw. Westecuador zu den schützenswertesten Gebieten der Erde. Dieses kommt darin zum Ausdruck, dass das Gebiet weltweit zu den 10 wichtigsten Biodiversitäts-Hotspots gehört und auch zu den Global 200 des WWF zählt.


Im Nordwesten Ecuadors gibt es sechs Naturreservate, die zum nationalen Schutzgebietsystem (SNAP-Sistema Nacional de Areas Protegidas) gehören und vom Umweltministerium verwaltet werden. Ebenso gibt es zahlreiche staatliche und private Schutzgebiete. Die geschützte Fläche ist aber eher noch klein. Mit Un poco del Chocó leisten wir unseren persönlichen kleinen Beitrag zur Erhaltung des Chocó und hoffen mit unserer Arbeit auch andere vom Naturschutz überzeugen zu können.